Highway-Challenge 500 - Bernhausen 2005

Bericht des Teams Slotters-Paradise
by Robert

Prolog

Anfang September entschieden wir uns im Slotters-Paradise (www.slotters-paradise.de), bei einem Rennen außerhalb des uns vertrauten Clubs und auf einer anderen Bahn mitzufahren. Angestiftet durch die Einladung der Slot-Racer aus Bernhausen (www.slot-racer.de) für die Highway-Challenge 500 am 15. Oktober 2005 machten wir uns erste Gedanken über mögliche Fahrer und Mechaniker bzw. Modellbauer für die Vorbereitung des Rennfahrzeuges. Relativ schnell entschieden wir uns für einen Tamiya Porsche 962 als Karosserie und ein Plafit Excel Full Racing als Fahrwerk. Es folgte auch bald die erste Kontaktaufnahme mit Bernd von den Slot-Racern, der uns gleich die ersten Tipps zur Reifenwahl und Übersetzung mit auf den Weg gab. Es war zu Anbeginn klar, daß das ganze Projekt eine große Herausforderung für uns werden würde, da uns das Spezialwissen über Metallfahrwerke, Moosgummi-Reifen oder gar die Abstimmung eines Wagens auf eine Holzbahn gänzlich fehlten. Die Hit-Rates in der Suchfunktion und Knowledge Base des www.scaleracingforum.de dürften in dieser Zeit merklich angestiegen sein ;-)

In der Folge dauerte es recht lange, bis wir die Liste der definitiv teilnehmenden Fahrer zusammenstellen konnten; andere private und berufliche Verpflichtungen müssen natürlich oft im Vordergrund stehen. Am 22. September konnten wir dann endlich die fixe Anmeldung bekannt geben und das Startgeld überweisen: Andy, Ingo und ich aus dem Slotters-Paradise  wurden gemeldet und Bernd konnte außerdem von Ingo als vierter Mann für das Rennen gewonnen werden.

Die weiteren Vorbereitungen liefen nun eher hektisch ab, bis zum Rennen blieben nur noch drei Wochen ! Die letzten Teile mußten beschafft werden, inklusive extra eingeplanter Einkaufstouren nach Darmstadt. Die Karosserie wurde verschliffen, grundiert, lackiert, Decals mußten designed (und geduldig von der Cote d´Azur per 28k Modem nach Mannheim gesendet!), gedruckt und angebracht werden, das Chassis wurde erstmalig gerichtet und aufgebaut, Lager eingelötet, Motoren eingelaufen. Der Fahrereinsatz wurde gebaut, die Hochzeit von Karosserie und Fahrwerk vorgenommen, Reifen verklebt und geschliffen. Es kam beinahe schon zu Verzweiflungstaten!
       

Dennoch - was fast schon keiner mehr geglaubt hätte: Wir konnten nach zwei Wochen geteilten Leids und einigen Nachtschichten ein Auto komplett zusammenschrauben. Für die geübteren Bastler vielleicht eine recht lange Zeit, in einem verteilten Projekt (Ladenburg, Karlsruhe, Ludwigshafen, Heidelberg, Oberflockenbach und Cote d´Azur) aber nicht so leicht zu realisieren! Und einer allein hätte erst gar nicht die ganze Zeit aufbringen können.

Ein riesiger Dank gilt natürlich allen Designern und Erbauern, die auch gleich auf dem Auto verewigt wurden:



Thomas machte außer der Karosserie schließlich sogar noch die ersten Felgeneinsätze startklar und damit konnte dem ersten Rollout auch nichts mehr im Wege stehen.

Rollout

Am 8.10.2005 konnten wir endlich den Rollout auf dem Highway Star der Slot-Racer durchführen. Und wer jetzt gut aufgepaßt hat, weiß auch, daß dieser Termin eine geschlagene Woche vor dem Rennen war ;-). Da es sich um den ersten Rollout des Autos handelte, waren wir schon auf einiges gefaßt: der große zeitliche Abstand zu den anderen an der Bahn trainierenden Fahrern hat uns immer noch überrascht. Abstände von mehr als einer Sekunde pro Runde (also zB unsere 8 Sekunden im Vergleich zu 6,8 Sekunden der Fahrerkollegen) sprachen für sich.

An diesem Abend wurde bereits klar, daß es im Rennen weniger zu einer Standortbestimmung als viel mehr zu einer "Abstandsmessung" kommen würde. Ungeachtet dessen montierten wir Gewicht: weit vorne, weit unten und bald wurde das Fahrverhalten etwas besser. Wir sorgten auch gleich für die ersten Highlights: Das Abfallen eines Hinterrades beim Training ist uns auch noch nicht passiert ;-). Außerdem gab es auch den Verdacht eines Getriebeschadens, es war dann aber doch nur der verschobene Motor. Zumindest diese beiden Lektionen haben uns im Rennen vor genau diesen Problemen bewahrt (aber da waren schon noch genug übrig, keine Angst ! :-)) ).



Der Grip, den die Moosgummireifen aufbauten, überraschte uns ziemlich! Bald standen uns auch die ersten Fahrerkollegen mit Rat und Tat zur Seite und wir konnten so innerhalb weniger Stunden mehr lernen, als wir für das ganze Projekt an Lernerfolg erwartet hätten! Ein herzlicher Dank hier schon mal an alle, die uns an diesem Abend so toll unterstützt haben!

Zu diesem Zeitpunkt war auch absehbar, daß einige Fehler in der Grundkonzeption des Fahrzeugaufbaus bis zum Rennen nicht mehr auszumerzen sein würden. Nach dem Abschlußwiegen mit dem stolzen Ergebnis von 233g Fahrzeuggewicht verabschiedeten wir uns mit einem guten Lacher für alle nach Hause und traten nachdenklich den Heimweg an.

Nichtsdestotrotz vereinbarten wir für die Folgewoche einen weiteren Bautermin, um etwas besser vorbereitet in das Abschlußtraining und das Rennen starten zu können. Reifen wurden geschliffen, Gewichte wurde oben reduziert und für unten rum gebastelt:  

   

Andy beim Reifen schleifen Andy läßt die Maschine schleifen,
bei der Hudy geht das ja eh ned
so schnell
Jetzt hör endlich auf mit diesen
SCHE*** Fotos!
  

  Echt Toll ! 3g gespart ;-)

Zusätzlich bereiteten wir noch weitere Felgeneinsätze und die Spiegel für den Rennstart vor.

Abschlußtraining

14.10.2005: Wiederum bemühten wir uns, rechtzeitig an der Bahn zu erscheinen. Unzählige Baustellen und Staus auf A6 und A81 vereitelten diesen Plan und so kamen wir wieder erst um 19:30 an. Sofort machten wir uns ans Training, Bernd konnte an diesem Abend zum ersten Mal die Bahn kennen lernen. Die ersten Tests ergaben bald, daß unsere Gewichtssets das Fahrzeug zwar stabiler aber auch sehr viel träger machten. Andere Fahrer nahmen uns diesmal regelrecht unter ihre Fittiche und so konnten wir ausgestattet mit geliehenen Vorderrädern, einem Wechsel der Federung, Entfernen weiterer unnötiger Gewichte (wozu Federwegsbegrenzung?) und gänzlich ohne Zusatzgewichte die Zeiten ein wenig weiter drücken. Zeiten um die 7.4s (Zum Vergleich die Zeiten der Vorwoche: eher bei 7.8s) wurden nun eher zur Regel und da uns die Bahn mehr und mehr vertraut wurde, konnten wir diese Zeiten auch weiter stabilisieren. Vereinzelt schlichen sich schon 7,3 odere 7,2s ein. Wir lernten gemeinsam, das Fahrzeug besser einzuschätzen und gaben uns gegenseitig Fahr-Tipps - Teamwork wie es sein soll!
Diesmal hielten wir das Training bis um ein Uhr durch, traten den Heimweg an und um 02:30 konnte auch Bernd - unser 1:1-Fahrer an diesem Abend - ins Bett fallen.

Der Renntag

...begann früh. Bernd fuhr um 06:15 los und holte Ingo (Ludwigshafen); Andy wurde unterwegs abgeholt und um 07:50 stiegen in Heidelberg alle zu mir ins Auto. Ab auf die Autobahn und wieder: Baustelle, Stau. Ganz toll. Trotzdem: Super Stimmung !! Erste Erfahrungsberichte, wer was am Auto geschraubt hat. Die kurze Tiefschlaf- und Traumphase hat immerhin alle auf Trab gehalten :-). Frühstück an der Autobahn, Andy hatte keinen Kaffee! ;-) (Zitat: Was? Keinen Kaffee? Gibt's bei PM keinen Kaffee ? ;-)) ).
In Zukunft im Hotel zu übernachten hat sich spätestens zu diesem Zeitpunkt bei allen als Vorsatz eingebrannt.

Somit kamen wir wieder erst kurz vor knapp an die Bahn, es war 09:45 und um 10Uhr sollte die Technische Abnahme stattfinden! Also schnell die Bodenfreiheit eingestellt und los! Das gleiche Bild wie am Vortag: Zeiten um die 7,3 oder 7,4 waren machbar. Immerhin keine Verschlechterung. Schnell noch die Spiegel montiert, Mist! Die halten nicht. Andere Methode, jetzt brutal mit doppelseitigem Klebeband. Letzte Kontrolle der Bodenfreiheit und gleich zur Technischen Abnahme. Und gleich wieder ans Werkzeug: Kein Scheibenwischer, zuwenig Bodenfreiheit, kein Rennen! Also noch Schraubenköpfe abfeilen, Scheibenwischer mit Pattex anpappen und noch eine Abnahmerunde. Diesmal war dann aber auch alles gut und wir konnten als Team antreten:

       

Im Qualifying mußte ich ran, ich mußte die bittere Wahrheit offenbaren. Immerhin mit einem persönlichen Rekord ;-)

Position

Team

Quali-Zeit

1.

Highway Star

6,264

2.

SRC Ü40

6,407

3.

Slotart

6,512

4.

Knax

6,517

5.

Deschawü Racing

6,548

6.

Brainstorm

6,648

7.

Bergaufbremser

6,691

8.

Slotmaniacs

6,715

9.

Newcomer

6,812

10.

DreamTeam

6,933

11.

Slotters-Paradise

7,082


Das Rennen

Wir teilten uns zunächst die Bahnen auf: Bernd entschied sich für die Spur zwei, Andy für drei. Wie sich´s im weiteren Verlauf ergab, erwischte ich die vier und Ingo die Spur eins. Wir starteten in Gruppe 3 auf Spur drei, Andy war am Zug.
Bernd stand als Mechaniker bereit und Ingo machte Einsetzer am zugewiesenen Platz. Das Auto war in Ordnung, nur etwas Stempeln der Hinterreifen in den engen Kurven machte Andy zu schaffen. Ich gab Andy die Rundenzeiten durch und sagte auch die verbleibende Fahrzeit an. 18 Minuten können ganz schön lange sein, auch ich war schon gespannt: noch nie war ich so lange am Stück gefahren! Dann kam ich an die Reihe. Das Rennen wurde wieder freigegeben und ich fuhr los: gleich der erste Abflug ? Sooo wenig Grip ? Na klar, ich war der erste auf Spur vier! Somit wurden die ersten Runden zum Eiertanz, aber das war auch wirklich reizvoll. Das Auto zog teilweise wild driftend durch die Kurven, leider endete das aber auch öfter als notwendig mit einem Abflug. Andy sagte mir die Dauer durch. Erst sechs Minuten? Der Grip wurde langsam besser und das Auto lag stabiler.
Bernd übernahm anschließend auf Spur 2. Er zog souverän seine Runden und spielte seine Rennerfahrung aus: in diesem Turn konnte Bernd noch 2/10s im Vergleich zu den Trainingszeiten auf der Bahn finden, was während der Rennens wirklich beachtlich ist. Bernd inspizierte beim anschließenden Umsetzen das Auto und was war das ???

Der Reifen hatte sich von der Felge gelöst !!! Der Reifenkleber hat da wohl versagt (mea culpa!)

Somit war klar: Ingo mußte das Auto zuerst an die Box bringen. Eine halbe Runde fahren - bis zum Servicebereich - Auto raus, Räder wechseln (gut anziehen!) und wieder ab auf die Bahn. Und Ingo fuhr tolle Zeiten! Die neuen Reifen hatten sich gelohnt. Wieder ein Abflug, Chaos, Start: Unser Auto bleibt liegen?? Ein Schleifer ging verloren. Erneut Service und weiter gings.

Und somit beschlossen wir den ersten Lauf mit 86 Runden Rückstand auf das nächste Team.

Nun konnten wir uns etwas entspannen und Bernd nutzte die Zeit, um ein weiteres Paar Reifen zu schleifen. Sicher ist sicher.

             

Unser Auto stand derweil wieder im Parc Fermé. Wir genossen das Weizen und dann die frische Luft und herrliches Wetter, das Mittagessen war üppig und entsprechend träge kamen wir wieder an die Bahn. Wir waren froh, daß bald der zweite Lauf anstand und bereiteten uns mental vor (Kaffee trinken).

Andy mußte zuerst wieder an den Drücker und zog ruhig und sehr stabil seine Runden. Anschließend konnte ich wieder ein Zehntel in der Bahn finden, die Überführung ging ja doch mit Vollgas! Mit der damit erreichten Geschwindigkeit konnte in durch die Kurve rollen, wodurch sich meine Abflüge an dieser Stelle deutlich reduzierten. Doch dann, was war das? Das Auto bleibt wieder liegen? Praktischerweise an Ingo´s Einsetzerplatz, sodaß der abgefallene Schleifer schnell wieder montiert war ;-) ("ich kann jetzt ja nicht das Auto zum Servicepunkt tragen,oder??"). Bernd trat nun ans Pult und wurde ehrgeizig. Er konnte plötzlich streckenweise mit den anderen Teams mithalten und zauberte einige 7.0er Zeiten auf die Bahn! Er lieferte außerdem unser einziges echtes Überholmanöver in diesem Rennen ab ;-) . Nach diesem Turn fiel aber auch einige Spannung von ihm ab ;-))




Der Abschluß-Turn blieb Ingo überlassen. Er startete äußerst stabil und rettete unsere Ehre: 6.996, die Sieben war gefallen. Das Endergebnis sieht nun so aus:

Position

Team

Runden
Lauf 1

Runden
Lauf 2

Runden
Gesamt

Durchschnitt
Rundenzeit in Sec

1.

Highway Star

658,73

656,32

1315,05

6,57

2.

SRC Ü40

642,18

627,81

1269,99

6,80

3.

Slotart

609,10

618,18

1227,28

7,04

4.

Newcomer

611,09

613,15

1224,24

7,06

5.

Deschawü Racing

609,09

608,86

1217,95

7,09

6.

Brainstorm

597,83

614,94

1212,77

7,12

7.

DreamTeam

603,19

608,07

1211,26

7,13

8.

Slotmaniacs

601,83

599,79

1201,62

7,19

9.

Knax

598,75

592,75

1191,50

7,25

10.

Bergaufbremser

565,70

605,6

1171,30

7,38

11.

Slotters-Paradise

525,82

552,27

1078,09

8,01







Wir bewunderten dann noch die Teams der Gruppen 2 und 3 und bis zur Siegerehrung lernten wir noch einige nette Kollegen kennen, bekamen noch viele Tipps und tauschten bewundernde Blicke für unsere sonst so gebauten Autos aus. Leider mußten wir uns nach der Siegerehrung doch recht bald auf den Heimweg machen.    

Epilog und "Lessions learned"

Es war einfach ein super Rennwochenende. Das ganze Team blieb locker und entspannt, außer natürlich beim Fahren an sich. Die nervliche Anspannung, die Müdigkeit und in der Folge auch Konzentrationsschwierigkeiten jeweils gegen Ende der Turns waren allen anzumerken. Alle haben wirklich tollen Einsatz gezeigt und waren mit Eifer bei der Sache! Trotzdem haben wir die angebrachte Fairness gezeigt und die - doch recht weit - vor uns liegenden Teams beim Überrunden lassen nicht oder hoffentlich nur sehr wenig behindert. Vor allem hatten wir gemeinsam sehr viel Spaß und waren wirklich ein Team. Es hat einfach gepaßt.
Wir haben einiges dazugelernt und unser Auto ins Ziel gebracht. Ganz sicher waren wir uns diesbezüglich nach den Erfahrungen im Training nicht. Und die Karosserie hat auch einen Bruch, mit dem wir nicht mehr viele Einschläge überstanden hätten...
Es hat uns allen sehr viel Spaß gemacht und bleibt uns sicher in guter Erinnerung (einige hoffen auch auf eine Wiederholung, wenn auch nicht allzu bald). Wir konnten Kontakte knüpfen und können uns hoffentlich auf diesem Weg auch auf anderen Bahnen weiter in das uns noch fremde Terrain (Metallfahrwerke, vielleicht gar auf Holz) vorarbeiten.

Wir bedanken uns auch sehr herzlich bei PM für das Sponsoring des Autos, ohne Deine Unterstützung hätte das so nicht geklappt !!!

Hier schon mal eine Zusammenstellung dessen, was wir glauben gelernt zu haben (und das ist wahrscheinlich weit mehr, als mancher vermutet hätte):
Speziell zu den Moosgummireifen.Wenn die Reifen in die Kurven nicht rubbeln sollen (O-Ton Mike von den Slot-Racern: "Mir tut das richtig weh, wie Euer Auto durch die Kurven stempelt ...in jeder Runde..."), muß man wohl einige Dinge beachten. Ob alles Folgende mit dem Stempeln zusammenhängt, wissen wir auch nicht, aber schlimmer kann´s nicht werden *g*:
Weitere Infos und Bilder findet Ihr unter www.slot-racer.de und hier den offiziellen Rennbericht: http://www.slot-racer.de/Rennen_Termin/Gr__C_Details/Ausschreibung_500/STARTER_500/Ergebnis_500/ergebnis_500.html